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Erklärung des Begriffs: .NET Native
Zur Stichwortliste unseres Lexikons
Was ist
.NET Native
?
".NET Native" ist ein Compiler für C#, der keine Intermediate Language, sondern direkt Maschinencode erzeugt. .NET Native kann nur bei
Universal Windows Platform App
s (
UWP App
s) verwendet werden.
Codename: "Project N"
Termine
Erstankündigung: 2.4.2014 (
BUILD
-Konferenz 2014)
Version 1.0: erschienen mit
Windows 10
am 29.7.2015
Eigenschaften von .NET Native
Direkte Maschinencodeerzeugung zur Entwicklungszeit
Sprachen: C# oder Visual Basic
IDE
: ab
Visual Studio 2015
Sehr langsame Übersetzung
Eingeschränkte
Debugging
-Fähigkeit
Stehen geblieben auf dem Stand
.NET Core 2.0
/
.NET Standard
2.0 (siehe auch
devblogs.microsoft.com/ifdef-windows/preview-uwp-support-for-dotnet-9-native-aot/)
Details zu .NET Native
UWP App
s in
Windows 10
sind die erste .NET-Anwendungsart, bei der Microsoft von dem Intermediate-Language-Prinzip mit
Just-in-Time-Compiler
(JIT) abweicht.
UWP App
s werden von dem Microsoft App Store im Sinne der Ahead-of-Time-Kompilierung (AOT) direkt in Maschinencode (
Native Code
) an
Windows 10
-Geräte ausgeliefert.
Beim
Debugging
in Visual Studio arbeitet der Entwickler noch mit JIT. Die "Release"-Übersetzung erzeugt dann aber bereits Maschinencode. Der Kompilierungsvorgang dauert hier sehr viel länger, was nicht nur daran liegt, dass doch erst die
Microsoft Intermediate Language
(
MSIL
) und dann daraus Maschinencode erzeugt wird, sondern vor allem daran, dass der neue Compiler mit Namen ilc.exe alle benötigten Teile der
.NET Framework
-Klassenbibliotheken statisch in die zu erstellende App linkt, sodass am Ende aller benötigte Programmcode in einer einzigen ausführbaren Datei liegt. In dieser Datei gibt es dann auch die tatsächlich benötigten Routinen aus der .NET-Klassenbibliothek, sodass zur Laufzeit keine
DLL
s mehr nachgeladen werden müssen. Außerdem erfolgt eine Nachbehandlung des erzeugten Maschinencodes mit dem Microsoft C++-Optimizer ("N
UTC
"). In Summe gibt es also ein einziges
Executable
, in dem der eigene Programmcode des Entwicklers mit dem benötigten Klassenbibliothekscode in optimierter Form vermengt ist.
Zur Laufzeit wird nicht mehr die vollständige .NET-
Common Language Runtime
(
CLR
) benötigt, sondern nur noch eine minimale Laufzeitumgebung (CoreRT, siehe [15]), die u.a. den
Garbage Collector
bereitstellt. Der Vorteil dieses aufwändigen Übersetzungsvorgangs sind dann zur Laufzeit der App stark reduzierte Startzeiten (Microsoft spricht von 50-60% Zeiteinsparung, je nach Quelle, vgl. [12] und [13]) sowie weniger RAM-Bedarf (14-25% je siehe vorgenannte Quellen). .NET Native ist schneller als die bisher bestehende Möglichkeit, .NET-Code nachträglich mit ngen.exe in Maschinencode zu verwandeln.
Zu beachten ist aber, dass es in .NET Native einige funktionale Einschränkungen gegenüber dem
Managed Code
.NET Framework
gibt. Einige
API
s werden bei .NET Native nicht unterstützt (siehe
Liste
auf [10]). Arrays dürfen nicht mehr als drei Dimensionen besitzen. Da
Reflection
nicht auf gewohnte Weise zur Laufzeit funktionieren kann, müssen alle
Reflection
-Daten vorher statisch eingebunden werden. Zur Konfiguration der
Reflection
-Nutzung dient die Datei Default.rd.xml. Der Entwickler kann durch die Aktivierung von "Enable static analysis for .NET Native" in den Build-Optionen des Projekts vorab Warnungen erhalten bei der Verwendung von Sprachkonstrukten und Klassen, die in .NET Native nicht verfügbar sind.
Die .NET Native-Kompilierung gibt es bislang für UWP-Apps. Microsoft arbeitet aber an einer Übertragung dieses Prinzips auf andere .NET-Anwendungsarten und hat bereits Teile von .NET Native als
Open Source
veröffentlicht [15].
[10] Migrating Your Windows Store App to .NET Native
msdn.microsoft.com/en-us/library/dn600634(v=vs.110).aspx#Unsupported
[12] .NET Native Website
msdn.microsoft.com/en-us/vstudio/dotnetnative.aspx
[13] Michael Samarin:
Windows 10
Universal Windows Platform
spb2015.dotnext.ru/presentations/samarin.pdf
[15] CoreRT für .NET Native
github.com/dotnet/corert
Hintergründe
In der Preview-Phase war ".NET Native" ein Add-on [
msdn.microsoft.com/en-US/vstudio/dotnetnative
] zu
Visual Studio 2013
Update 2 bzw. enthalten in
Visual Studio 2015
Preview.
Nun ist .NET Native in
Visual Studio 2015
enthalten und arbeitet nur für
Windows 10
Universal Platform Apps.
Seit der ersten Vorstellung von .NET im Juli 2000 erzeugte der C#-Compiler immer
Microsoft Intermediate Language
(
MSIL
)-Code, der erst zur Laufzeit von einem
Just-in-Time-Compiler
(JIT) in Maschinencode für das jeweilige Zielsystem übersetzt wurde. Vorteil dieser "
Managed Code
"-Vorgehensweise ist nicht nur, dass nur ein Binärpaket für beliebige Prozessorarchitekturen verwendet werden kann, sondern auch, dass der Maschinencode für den Befehlssatz des jeweiligen Mikroprozessors optimiert werden kann. Nachteil ist aber ein Leistungsverlust, der sich insbesondere beim Anwendungsstart oft deutlich bemerkbar macht.
Microsoft hatte in den letzten Jahren immer wieder den Just-In-Time-Compiler optimiert und das Kaltstartverhalten durch verschiedene Tricks verbessert. Zu den Strategien gehört auch die "
Native Code
Generation" (Ngen), die den Maschinencode in einem zweiten Übersetzungsvorgang schon zur Entwicklungszeit aus der Zwischensprache gewinnt. Das betraf aber immer nur den eigenen Programmcode.
Im neuen .NET Native-Ansatz liegt aber auch das
.NET Framework
als optimierter nativer Code (".NET Native Framework") mit minimaler
Common Language Runtime
(
CLR
) vor; benötigte Teile des
.NET Framework
s werden von einem neuen Compiler mit Namen ilc.exe statisch in die zu erstellende App gelinkt. Im Rahmen von ilc.exe kommt auch der Microsoft C++-Compiler mit den gleichen Optimierungen zum Einsatz, die auch bei C++-Programmcode angewendet werden.
Richtungswechsel
Dieser gravierende Richtungswechsel nach 14 Jahren kommt nicht überraschend; schon im Jahr 2012 hatte Microsoft im Zuge von
Windows 8
mit der Einführung wieder der auf
Native Code
basierenden neuen Windows-Programmierschnittstelle "
Windows Runtime
" (
WinRT
) klargestellt, dass man den Leistungsverlust von Zwischensprachen nicht mehr in Kauf nehmen will.
WinRT
ist in C++ geschrieben, aber auch C#-Programmcode kann
WinRT
über eine "
Language Projection
" nutzen. Dabei lief auch in der
Windows 8
-Welt der C#-Code bisher über den
Just-in-Time-Compiler
. Bei .NET Native ist dieser
Just-in-Time-Compiler
aber nun überflüssig und es entsteht Maschinencode, der der Ausgabe des Microsoft C++-Compilers ähnelt. Das Entwicklungsteam verspricht [
msdn.microsoft.com/en-US/vstudio/dotnetnative
] vollmundig – im Vergleich zum Einsatz von Ngen – um 60% verringerte Startzeiten sowie einen um 15-20% verringerten Speicherbedarf. Und dabei soll auch der Verbreitungsaufwand noch gering und der Produktivitätsvorteil von C# erhalten bleiben.
Der letztere Punkt ist jedoch noch schwer zu glauben, wenn man die dokumentierten Herausforderungen der neuen .NET Native-Technik sieht. Zum einen sind zahlreiche Funktionen des
.NET Framework
s nicht unterstützt [
msdn.microsoft.com/en-us/library/dn600634(v=vs.110).aspx
], z.B. die
SOAP-Webservice
-Kommunikation über die
Windows Communication Foundation
(System.ServiceModel) sowie die Klassen im Namensraum
System.ComponentModel
.Data
Annotation
s. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass sich die
Liste
nicht auf das vollständige
.NET Framework
mit über 13.000 Klassen bezieht, sondern nur auf das sowieso schon auf wenige Tausend Klassen abgespeckte Profil "
.NET for Windows Store Apps
".
Funktionelle Unterschiede
Zum anderen gibt es auch funktionelle Unterschiede zwischen .NET Native und dem bisherigen .NET, da einige Teile von .NET auf der Auswertung von
Metadaten
basieren und Laufzeitkompilierung (z.B. die Serialisierung/
Deserialisierung
). Das ist in .NET Native aber nicht vorgesehen, sodass diese Informationen alle zur Entwicklungszeit erstellt werden müssen. Dabei kann laut Microsoft [
msdn.microsoft.com/en-us/library/dn600640(v=vs.110).aspx
] der .NET Native-Compiler nicht alle Situationen erkennen, in denen er
Metadaten
vorab hineinkompilieren muss. Daher ist es aktuell Aufgabe des Softwareentwicklers, dem .NET Native-Compiler über eine
XML
-basierte sogenannte Runtime Directives Configuration-Datei (rd.xml) Hinweise zu geben. Einige aus .NET bekannte Funktionen stehen aber gar nicht zur Verfügung. Dazu gehört insbesondere der Aufruf von privaten Klassenmitgliedern via .NET
Reflection
. In anderen Fällen ist durch eine Umstellung des Programmcodes eine Kompilierung in .NET Native möglich. So kann man zum Beispiel typeof(Name) statt Type.GetType("Name") verwenden.
.NET Native ist eine Weiterentwicklung der bei Windows Phone seit Version 8 eingesetzten
Machine Dependent Intermediate Language
(
MDIL
), die in der Microsoft Cloud entsteht [
www.zdnet.com/microsoft-details-ist-strategy-for-compiling-windows-phone-apps-in-the-cloud-7000007185/
]. Aktuell ist .NET Native auf C# beschränkt. Unterstützung für Visual Basic soll aber folgen.
Native Code
entsteht nicht beim
Debugging
, sodass dies wie bei
Managed Code
funktioniert. Auch die Speicherverwaltung (Garbage Collection) zur Laufzeit ist wie bei
Managed Code
.
Perspektive
Dass Microsoft mit
Windows App
s den Umstieg auf
Native Code
begonnen hat, macht Sinn, weil die Arbeiten hier überschaubarer waren als beim vollständigen
.NET Framework
. Zudem war bei den Apps der Bedarf größer, da die Benutzer schnelle Startzeiten erwarten. Auch wenn Microsoft mit C++ und
JavaScript
noch zwei andere Sprachen zur Erstellung von
Windows App
s anbietet, wurde bisher die deutliche Mehrheit der
Windows App
s im Microsoft App Store mit den
.NET-Sprache
n C# oder Visual Basic erstellt.
Noch nicht konkret angekündigt oder durchaus naheliegend ist, dass .NET Native in nicht allzu ferner Zukunft auch für klassische Windows-Anwendungen mit vollständigem
.NET Framework
verfügbar sein wird. Dann gäbe es für alle .NET-basierten Anwendungen eine durchgehende
Native Code
-Strategie von dem eigenen Programmcode, über das
.NET Framework
bis hin zum Betriebssystem-
API
"
WinRT
".
Querverweise zu anderen Begriffen im Lexikon
siehe
https://learn.microsoft.com/en-us/windows/uwp/dotnet-native/
Machine Dependent Intermediate Language (MDIL)
Windows Communication Foundation (WCF)
Microsoft Intermediate Language (MSIL)
Universal Windows Platform App (UWP App)
.NET for Windows Store Apps
Common Language Runtime (CLR)
System.ComponentModel
Just-in-Time-Compiler
Language Projection
Visual Studio 2015 (VS2015)
Visual Studio 2013 (VS2013)
Garbage Collector (GC)
Deserialisierung
Windows Runtime (WinRT)
SOAP-Webservice
.NET Framework
.NET Standard
.NET Core 2.0
Managed Code
.NET-Sprache
Windows App
Open Source
Native Code
Annotation
Executable (EXE)
Reflection
JavaScript (JS)
Windows 10
Metadaten
Debugging
Windows 8
Liste
Universal Windows Platform App (UWP App)
Windows Runtime (WinRT)
Microsoft BUILD-Konferenz (BUILD)
Machine Dependent Intermediate Language (MDIL)
Microsoft Intermediate Language (MSIL)
Dynamic Link Library (DLL)
Universal Coordinated Time (UTC)
Application Programming Interface (API)
Integrated Development Environment (IDE)
Extensible Markup Language (XML)
Common Language Runtime (CLR)
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